Finanzielle Engpässe Handwerk

Handwerker haben es bei der Betriebsführung und der finanziellen Kalkulation nicht leicht. Immer öfters nutzen Verbraucher sogenannte Vergleichsportale, in denen sich die Betriebe häufig direkt unterbieten. Zum anderen empfinden viele handwerkliche Betriebe die Auktionen für Handwerker als sehr störend. Hier unterbieten sich sowohl Fachbetriebe als auch angebliche Handwerker, die auf den schnellen Euro hoffen und die Preis oft so weit nach unten treiben, dass am Ende kaum ein Ertrag überbleibt. Handwerkliche Fachbetriebe können dabei kaum mithalten. Sie müssen Steuern bezahlen, Mitarbeiter und die bestehende Infrastruktur finanzieren.

Neben diesen Problemen, kommt es aber auch bei bestehenden Aufträgen immer wieder zu finanziellen Engpässen im Handwerk, die eine Auftragsausführung schwierig gestalten. Das deutsche Recht sieht Abschlagszahlungen bei umfangreichen Aufträgen nur in bestimmten Umfängen vor. Am Ende muss der Betrieb einen großen Teil Vorfinanzieren. Dabei kommt es zu dem üblichen Kreislauf. Das Geschäft muss wachsen, umso mehr Aufträge vorhanden sind, desto höherer sind aber die Vorfinanzierungskosten. Liquidität muss also verfügbar sein. Viele Banken stellen Rahmenkredite dafür gerne zur Verfügung, verlangen aber häufig hohe Zinsen. Handwerkliche Betriebe gelten generell als Risikofaktor, wodurch bei der Kreditvergabe höhere Zinsen berechnet werden.

Finanzielle Engpässe im Betrieb – Lösungen

Kommt es zu den oben genannten finanziellen Engpässen, stellt sich die Frage nach einer Überbrückung. Die Hausbank ist in der Regel bereit, den normalen Nutzungskredit zu erweitern. Nachteilig hierbei: Die Zinskonditionen ändern sich und eine neue Bonitätsbeurteilung kann zum Nachteil ausfallen. Daher sollte dieser Weg immer nur als letzte Möglichkeit beschritten werden.

Eine andere Alternative um finanzielle Engpässe zu überbrücken besteht in einem Kurzzeitkredit. Handwerkliche Betriebe können den Kredit als Überbrückung nutzen und dabei von der kurzen Laufzeit (wenige Tage bis Wochen) profitieren, wodurch die Zinslast sehr übersichtlich bleibt.

Beispiel für den Minikredit

Ob sich ein Minikredit für Handwerker als Überbrückung lohnt, macht folgendes Beispiel deutlich.

Kreditbedarf: 1.000 Euro
Laufzeit: 30 Tage
Gesamtbetrag: 1011,59 Euro

Für einen Überbrückungskredit in einem Zeitrahmen von 30 Tagen sind am Ende also nur Zinsen von 11,59 Euro zu bezahlen. Der Vorteil: Bei der Hausbank muss kein höherer Kreditrahmen eingerichtet werden, wodurch es auch zu keiner neuen (nachteiligen) Bonitätseinstufung kommt.

Engpässe bei Aufträgen

Viele finanzielle Engpässe stehen in Zusammenhang mit bestehenden Aufträgen. In der Regel rechnen Handwerker dabei die entstehenden Kosten am Ende oder in vereinbarten Zeitabschnitten ab. Letzteres fällt unter die sogenannten Abschlagszahlungen, die allerdings vom Gesetzgeber nur in einem bestimmten Umfang möglich sind. Hier wird den Betrieben vor allem geraten, bereits verwendetes/verbautes Material unbedingt immer in jede Abschlagszahlung einzubeziehen und gleich mit Auftragsbeginn zu vereinbaren.

Der Gesetzgeber erlaubt bei den Abschlagszahlungen an den Handwerkern, das Material, das den Kunden in einer nicht mehr entziehbarer Weise zur Verfügung steht, abgerechnet werden kann.

Kostenfaktoren im Blick

Handwerker sollten zudem, um finanzielle Engpässe zu vermeiden, ihre Lieferanten an der kurzen Leine halten. Hier besteht jedoch oft Nachholbedarf. Viele Betriebe verhandeln nur einmalig mit den Zulieferern über die Preise. Das ist falsch. Kündigt sich ein möglicher finanzieller Engpass an oder aber muss ein Angebot günstiger erfolgen, sollte immer eine Nachverhandlung mit den Lieferanten erfolgen. Hierbei geht es nicht um Loyalität. Diese wäre falsch im Geschäft. Ist der Lieferant nicht bereit, nachzubessern, wird einfach der Anbieter gewechselt.

Finanzielle Engpässe ändern durch Zahlungsziel

Handelt es sich jeweils nur um kurzweilige finanzielle Engpässe, wobei Kredite oder andere Maßnahmen zur Überbrückung benötigt werden, gibt es noch einen anderen Ansatzpunkt. Sinnvoll kann es sein, mit den Lieferanten längere Zahlungszeiträume zu verhandeln. Wer bereits seit Jahren bei einem festen Lieferanten einkauft, kann dort problemlos nach einem längeren Zahlungsziel anfragen. Statt der normalen 30 Tage, sind viele Zulieferer bereit, auch 60 – 90 Tage zu gewähren oder dieses in Kombination mit einer Anzahlung zu arrangieren. Alleine durch diese Maßnahme lassen sich teilweise schon finanzielle Engpässe bei Handwerkern vermeiden.

Liquiditätsplanung im Handwerk

Ein weiterer Blick lohnt auf die allgemeinen Liquiditätsplanungen bei größeren Anschaffungen. Wir erleben immer wieder, das heute noch Maschinen und andere Anschaffungen in bar finanziert oder über ein Ratenkredit gekauft werden. Vielfach wird vergessen, auch den Weg der Leasingfinanzierung durchzurechnen. Durch die einfache steuerliche Absetzbarkeit und der längeren Finanzierung kann Leasing im Handwerker bei der Liquiditätsplanung ein sehr interessanter Ansatz sein, um so auch auf diesem Wege finanzielle Engpässe bei Handwerkern zu vermeiden.

Aber auch die kleinen Kosten gehören dazu. So sind es Strom- und Druckkosten, die viele Betriebe in diesem Bereich belasten. Mit ein paar kleinen Tricks bei der Druckeranwendung und dem Wechsel des Stromanbieters, lässt sich auch hier ein Plus herausholen.

Es lohnt also regelmäßig das Thema Finanzierung und Liquidität auf die Tagesordnung zu setzen, den Ist-Zustand zu prüfen und neue Wege durchzuspielen.